Ratgeber
Grüne Dächer mit Blähton gestalten
Immer mehr Bauherren und Städte verwandeln ihre Dächer in grüne Biotope. Wir zeigen, welche Rolle Blähton bei der Dachbegrünung spielt und wie Sie ein grünes Dach Schritt für Schritt anlegen.
Deutschlands Dächer werden immer grüner – und das aus gutem Grund! Gerade im urbanen Raum sorgen die grünen Dächer auf Carports, Bushaltestellen, Einfamilienhäusern und öffentlichen Gebäuden für ein besseres Klima. Die grünen Teppiche filtern Staub und Schadstoffe aus der Luft, verbessern die CO2-Bilanz, bilden einen Lebensraum für Fluginsekten und haben einen schützenden Effekt für darunterliegende Gebäude.
Das leichte Tongranulat Blähton, das bei 1200 °C gebrannt wird, spielt bei der Begrünung eines Daches eine wichtige Rolle. Das feine Porensystem ist nicht nur besonders leicht und luftdurchlässig, es verändert auch im Kontakt mit Nässe, Hitze oder Frost seine Struktur nicht, sodass es sowohl im Substrat als auch in der Drainageschicht für viele Jahre ein treuer Begleiter ist. Weil Blähton keine Feuchtigkeit aufnimmt, haben Pilze, Insekten oder Schädlinge ebenfalls keine Chance, sich anzusiedeln und das grüne Dach zu schädigen. Blähton speichert in seinen feinen Poren Wasser und Nährstoffe, die nach und nach durch die Verdunstung an die Pflanzen abgegeben werden. Bis die Pflanzen angewachsen sind, sollte das Dach am besten mehrmals pro Woche gewässert werden.
Je nach Art des Daches und der zugrunde liegenden Statik lassen sich zwei Formen der Dachbegrünung umsetzen.
Extensive Begrünungen
Zahlreiche Dächer werden bis heute vor allem extensiv begrünt. Dabei handelt es sich um die Bepflanzung von Dächern, deren Statik nicht viel Gewicht zulässt, die eine zu starke Neigung haben oder nicht anders genutzt werden können. Auf dem Substrat, das zwischen sechs und zwölf Zentimetern dick ist, wachsen Pflanzen, die Sonne lieben, auf kargen Böden auskommen und kaum Wasser benötigen. Dazu zählen Gräser und Moose, Kräuter oder Sukkulenten wie Hauswurz, Aichryson oder Aeonium.
Zu den typischen Flächen für die extensive Begrünung zählen Flachdächer, geneigte Dächer, Garagen oder öffentliche Bereiche wie Haltestellen.
Intensive Begrünungen
Wer sein Flachdach dagegen als Dachgarten benutzen möchte und wo die Statik des Hauses es zulässt, der kann sein Dach intensiv begrünen. Eine deutlich aufwendigere Methode, die eine höhere Substratschicht zwischen 15 und 40 Zentimetern benötigt. Neben Rollrasen lassen sich hier Stauden, Sträucher und sogar kleine Bäume pflanzen – eine wunderschöne Alternative für Gebäude, die über keinen Garten verfügen.
Bei einer intensiven Begrünung kann es auf dem Dach zu einer punktuellen, zusätzlichen Last von 500 kg/m² kommen. Sollten Sie eine Dachterrasse planen, ziehen Sie sowohl beim Neubau als auch bei der Nachrüstung eines Daches einen Statiker zurate.
Wie baue ich einen Dachgarten richtig auf?
Für eine optimale Dachbegrünung sollte die Dachneigung mindestens 5 Prozent und maximal 15 Prozent betragen. Die 5 Prozent werden zum Ableiten des Regenwassers benötigt, damit keine Pfützen entstehen und das Dach durch das Gewicht nicht zusätzlich belastet wird. Dächer mit über 15 Prozent Neigung sind nicht zu empfehlen bzw. benötigen eine zusätzliche Unterkonstruktion, da sonst ein Abrutschen des Substrates und der Bepflanzung droht.
Folienschutz für das Dach. Um ein Eindringen der Pflanzenwurzeln in das Dach zu vermeiden, sollte eine ökologisch unbedenkliche, spezielle PE-Folie oder ein polyolefinbeschichtetes Gewebe aufgebracht werden. Die Folie oder das Vlies sollte so angebracht werden, dass das Dach nicht beschädigt wird und das überschüssige Wasser z. B. in den Regenrinnen ablaufen kann.
Blähton als Drainage. Nach der Folie folgt das Aufschütten des Tongranulates. Je nach Höhe des Bodensubstrates kann die Blähton-Schicht ca. 5 cm betragen. Das Granulat dient sowohl als Durchwurzelungsschicht für die Pflanzen als auch als Nährstoff- und Wasserspeicher sowie der Wasserabführung. Wir empfehlen, bei der Wahl des Substrates schichtweise vorzugehen: zuerst das Tongranulat, dann ein Erde-Tongranulat-Gemisch und zuletzt reine Muttererde. Bei starken Begrünungen darf der Mutterboden nicht zu nährstoffreich sein – hier sollte in der zweiten Schicht Sand beigemischt werden. Lassen Sie sich beim Kauf der Pflanzen entsprechend beraten.
Die Bepflanzung. Am preiswertesten ist das Ausbringen von fertig gemischtem Saatgut. Dazu verteilen Sie großflächig die Samen auf dem Substratboden und bewässern die Fläche. Nach etwa vier bis sechs Wochen, je nach Witterung und ausreichender Bewässerung, steht Ihr Dach in voller Blüte.
Die zweite Variante sind Kokosmatten, die mit Moos, Kräutern und Sedum-Gewächsen vorkultiviert sind und in Gartencentern als Sedum- oder Vegetationsmatten angeboten werden. Diese müssen lediglich, wie Rollrasen, ausgerollt werden – und Ihr Dach ist nach dem Verlegen bereits zum größten Teil bewachsen.
Förderungsmöglichkeiten
Viele Kommunen wissen den ökologischen Nutzen begrünter Dächer sehr zu schätzen. Denn rund die Hälfte der Niederschläge können so verwertet werden und entlasten somit die Kanal- und Kläranlagen. Deshalb fördern einige Städte und Gemeinden Dachbegrünungen mit teils beachtlichen Summen – das zahlt sich auch für private Nutzungen aus.
Wer eine natürliche Dachdämmung in Form einer Dachbegrünung nutzen möchte, kann bei der KfW-Bank eine staatliche Förderung für sein Gründach beantragen. Die Dachbegrünung zählt im Programm „Energieeffizient Sanieren“ als Maßnahme zur Dämmung. Hausbesitzer erhalten entweder einen Zuschuss oder können einen zinsgünstigen Kredit in Anspruch nehmen. (Quelle: KfW)